>>Mythologie des Raben

Weil ich seit dem letzten Jahr im Angelic Gothic Forum das Netzpseuodonym Blackbird trage und meine Hompage den Titel Corvus Animus trägt, habe ich dem Raben, sowie den Krähen diesen Platz gewidmet.


Der Rabe als Vogel

Der Rabe - besser der Kolkrabe oder lateinisch Corvus Corax - ist der größte Singvogel der Welt und gehört zur Familie der Rabenvögel, der auch Krähen, Elstern und Dohlen angehören.
Die Rabenvögel sind pechschwarz, intelligent und sagenumwoben. Kaum ein Tier löst im Menschen so zwiespältige Gefühle aus wie der Rabe, geliebt oder gehasst je nach Epoche und Kultur! Die Raben besitzen ein blauschwarzes Gefieder, das einen metallischen Glanz auf ihren Federn trägt. Und im Vergleich zu den Krähen einen großen, kräftigen Schnabel. Man kann sie im Flug gut an ihrer kreuzförmigen Silhouette erkennen, durch ihren lang vorgestreckten Kopf und Hals, sowie den langförmigen Schwanz. In der Luft zeigt er sich sehr fluggewandt. Sie haben einen tiefen, sonoren Ruf, wie "Karronk", "Klonk", "Grok" oder "Kroar". Sie können bis zu 64 cm lang werden, und somit erreicht der Rabe die Größe eines Bussards. Die Spannweite ihrer Flügel beträgt 130 - 150 cm, sie erreichen ein Gewicht von 900 - 1400 gr. Ihr Lebensraum erstreckt sich von der Küste bis ins Gebirge über 3000 m Höhe, man findet ihn in Europa genauso wie in Nordamerika, Russland, Asien und Nordafrika. Sie führen Dauerehen, sammeln sich nach der Brutzeit aber in größeren Trupps.

Die Raben und die Bedeutung für den Menschen

Der Rabe hatte für die Menschen schon immer eine große Bedeutung. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass er, neben seinen Verwandten, den Krähen und Elstern, in vielen Mythen, Religionen und Märchen auftaucht. Unvergessen ist sicher die Legende von Odin, der von zwei Wölfen und zwei Raben begleitet wurde, die Raben hießen Huginn und Muninn. Jeden Morgen sandte Odin die beiden aus, sie flogen durch die Welt und flüsterten ihm am Abend nach ihrer Rückkehr alle wichtigen Neuigkeiten, die sie gesehen und gehört hatten ins Ohr. Und den einäugigen Gott eigentlich erst in die Lage versetzten zu sehen und zu verstehen. Deshalb nennt man Odin auch Hrafnagud, den Rabengott. Hugin steht dabei für den Gedanken / das Denken, Mugin für das Gedächtnis / die Erinnerung übersetzt, tatsächlich sind damit aber wohl "Weisheit" und Allwissenheit" gemeint!

Auch einer der wichtigsten keltischen Götter, der Sonnen- / Lichtgott Lugh / Lugos, gleichzeitig Schutzgott der Magier, Krieger und Dichter, Schöpfer der Künste, wird stets von einem Raben begleitet. Und er galt auch unter den Kelten als der Bote der Anderselt als Seelen und Orakeltier, aus deren Flug oder Erscheinen im Traum Weissagungen getroffen werden konnten! In dem Märchen "Die 7 Raben" der Gebrüder Grimm spielt der Rabe die Hauptrolle. Seit der Christianisierung trägt der Rabe keine positiven Züge mehr. Wie bei den Fledermäusen und Flughunden wird der Rabe mit der als Bedrohung und Sphäre des Bösen empfundenen Nacht in Verbindung gebracht. Als schwarz gefiederter Allesfresser, der auch Aas oder die Leichen auf den Schlachtfeldern vergangener Kriege nicht verschmäht, gilt er als Todes- und Unheilsbote und sein Erscheinen wird als böses Omen gedeutet. Auch hier ist er Begleiter, aber von Hexen und des Teufels.


Einige Mythen und Legenden:

Von Kultur zu Kultur werden ihm verschiedene Eigenschaften zugeordnet. In der westlichen Literatur steht er für die Dunkelheit, Depression und den Tod. Im Mittellter standen die Raben sinnbildlich für die Männlichkeit! In anderen Kulturen für einen schurkischen Geist!
Im allgemeinen steht der Rabe aber für die Wiedergeburt, Wiederbelebung, Erneuerung, Neuerschaffung und für Heilung. Der Legende nach sammelt er die verlorenen Teile der Seele, in anderen Mythologien stellt der Rabe die Seele von Verstorbenen dar, die wiederkehren!

Im indianischen Mythos war es der Rabe, der die Sonne und die Sterne am Himmel aufhängte, deshalb wird er auch oft dargestellt, wie er die Sonne im Schnabel trägt. Hier steht der Rabe als Symbol für göttliche Kraft und Schöpfertum! Bei vielen nordamerikanischen Indianerstämmen ist der Rabe eines der wichtigsten Totemtiere und gilt gar als Schöpfer der Welt.

Die Funktion des Raben als schöpferischer Geist und weiter Ahne der Menschen zieht sich als beständiges Band durch die Myhten der nordwestlichen Indianerstämme, der Inuit in Kanada und Alaska bis hin zu den Kulturen Sibiriens und in abgewandelter Form bis zu uns nach Europa.

Laut Legende flog der Rabe über das große Wasser, er hatte einen Beutel um den Hals und als er müde wurde, nahm er einen Stein aus dem Beutel und warf ihn ins Wasser, damit entstand das erste Land und der Rabe konnte rasten! Er flog weiter und nach und nach nahm er Dinge aus seinem Beutel und erschuf so die Pflanzen und die Tiere und alles was es auf der Erde gibt, zum Schluß nahm er den Menschen aus dem Beutel und setzte ihn auf die Erde, damit er auf alles achte und es bewahre (hier ist wohl irgend etwas schief gegangen.)

Nach einer ukrainischen Legende waren alle Raben im Paradies einst einmal bunt und konnten wunderschön singen, nach dem Sündenfall wurden sie jedoch schwarz und aus ihrem Gesang wurde ein heiseres Krächzen. Andere Legenden besagen, dass man sie beim Aas fressen erwischt habe und dass sie nach dieser Missetat ihr schönes, silbernes oder weißes Gefieder gegen ein schwarzes eintauschen mussten!

Trotz allem, der Rat der Raben galt als weise und das, obwohl sie gerne als Unheilsverkünder und als Symbol für Leid und Not angesehen wurden!

Besonders im Mittelalter, zur Zeit der Hexenverfolgung war klar, wenn ein Rabe einer Frau auf dem Feld bei der Arbeit zu nahe kam, konnte sie nur eine Hexe sein !

Ein weiterer Rabenvogel ist die Elster, sie wurde der nordischen Todesgöttin Hel zugeordnet.
Die Krähen unterstanden im alten Rom der Göttin Iuno, der Schützerin der Ehe und waren somit höchsten Götterkreisen als Symbol der Treue zugeordnet!

In Böhmen glaubt man, daß das Schreien der Krähen im Wald, Diebe oder sonstiges Gesindel
im Wald verrät!

Auf Island wird der Rabe fast immer mit dem Tod in Verbindung gebracht, meistens als Todesbote! Ein alter Spruch sagt aber gleichzeitig, wenn du einen Raben fütterst, wird er dir dies bezahlen, also kann er nicht nur als negativ angesehen worden sein.

Es gibt verschiedene Weisheiten auf Island, so heißt es zb. wenn ein Rabe auf dem Dach eines Kranken sitzt und mit dem Schnabel auf das Dach klopft, dass der Kranke sterben wird.

Es heißt auch wenn sich ein Rabe während des Fluges auf den Rücken dreht, so das sein Bauch nach oben weist, diese Rabe dann Luftgeister schluckt!



Eigenschaften des Raben

Schon an den Funktionen, die Raben in den vorchristlichen Mythen und nichtchristlichen Religionen übernehmen und den Göttergestalten, die ihnen zugeordnet werden, lässt sich ablesen, dass der Rabe als findiger und "intelligenter" Vogel gilt. Weitere Eigenschaften, die man an Raben beobachtet sind Neugierde, eine hohe Lern- und Anpassungsfähigkeit und ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Anders als im Volksmund und teilweise in der menschlichen Gesellschaft sind Raben mitnichten "Rabenväter" oder "Rabenmütter". Auch als "biologische Waffe" gegen Taubenplagen hat sich der Rabe in Form von Rabenplastikattrappen als nützlich für geplagte Städte und Stadtbewohner erwiesen, denn Tauben nehmen beim Anblick von Raben reissaus.



Bedrohung und Ausrottung von Raben & Rabenvögeln

In Mitteleuropa wurde der Rabe über Jahrhunderte so vehement mit Abschüssen, Fallen und Gift verfolgt, dass er in weiten Teilen Mitteleuropas bereits Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts ausgerottet war. Neben der Dämonisierung durch die christliche Religion spielten dabei auch viele Vorurteile eine Rolle. So verdächtigt man den Raben immer noch des Nestraubs, der zur Ausrottung der anderen Singvögel führe und auf Weiden würde er neugeborene Kälber und Lämmer reissen, obwohl wissenschaftliche Untersuchungen längst das Gegenteil bewiesen haben. Es scheint, das hier dem Raben andere Ursachen wie z. B. die extensive Landwirtschaft und die Umweltverschmutzung oder fehlinterpretierte Beobachtungen von „Augenzeugen“ in die Schuhe geschoben werden. Schon allein die „Ausstattung“ des Rabens, mit seinem zwar großen, aber stumpfen Schnabel und den nicht vorhandenen Greifkrallen, zeigt, dass der Rabe kein Raub- oder Greifvogel ist, der sich auch so ernähren könnte wie ein Raubvogel. Hinzu kommt noch die Verwechslung mit Krähen und Elstern, die als Rabenvögel in einigen Bundesländern und Schweizer Kantonen leider bejagt werden dürfen und denen vielleicht in einiger Zeit die gleiche Gefahr der Ausrottung droht wie den Raben. Seit einigen Jahren konnten durch Vogelschutzaktionen die Bestände der Kolkraben in Deutschland und der Schweiz erhöht werden, so dass man den Raben auch wieder in anderen Gebieten antrifft.

Was sehen wir, wenn wir den Raben sehen? Woran denken wir, wenn wir an Raben denken? Was geschieht mit uns, wenn wir auf Raben treffen?



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